Philippe Collin, „Der Barmann des Ritz“
Voll wie eine Haubitze, der Reichsmarschall.
Göring höchst persönlich sitzt an Speidels Tisch, der hinter seiner kleinen runden Brille mit Mühe eine gequälte Miene verbirgt.
Vielleicht will der Reichsjägermeister die Gedanken daran ertränken, dass sein Krieg gegen England ins Stocken gerät und die Spitfire der Royal Air Force den Geschwadern der Luftwaffe eine Abreibung nach der anderen verpassen. Mehrmals schon hat Oberst Speidel verzweifelte Blicke Richtung Tresen geworfen. Frank zuckt mit den Schultern.
Was sollte ich deiner Meinung nach tun ?
In normalen Zeiten hätte er seinen Gast diskret zur Ordnung gerufen. Doch die Zeiten sind alles andere als normal. Georges, der Göring jeden Wunsch von den Augen abliest, macht die Sache nicht besser. Er hat ihm gerade einen weiteren Pink Lady gebracht : Gin, Eiweiß, Grenadine und Zitronensaft – der Oger ist ganz versessen darauf, vor allem, wenn man die letzte Zutat, den Brandy, etwas großzügiger bemisst.
Frank fühlt sich wie ein Gefangener in seiner eigenen Bar, mit dem Reichsmarschall als persönlichem Kerkermeister. Unter den vor Bewunderung glänzenden Blicken von zwei Dutzend Offizieren der Luftwaffe, die um die Wette Lebensfreude versprühen, ist der Mann ein Doppelzentner aufgeblasene Macht und Wahnsinn.
(Philippe Collin, „Der Barmann des Ritz“)
»Wirklich spannend bis zum allerletzten Moment. Bis in die kleinsten Details der französischen und deutschen Verhaltensweisen schildert der Roman ein fein ziseliertes Bild der Zeit, wie ich es bisher so noch nie gelesen habe. Es ist ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen!« (Ulrich Wickert)
»Der Barmann des Ritz ist wie ein Cocktail: verführerisch im ersten Schluck, süß und bitter zugleich und lange nachwirkend. Zum Wohl.« (Mike Altwicker, WDR)
»Der französische Journalist und Historiker Philippe Collin hat mit ›Der Barmann des Ritz‹ ein packendes Porträt eines eher durchschnittlichen Mannes geschrieben, der sich durch einen Zufall der Geschichte plötzlich mitten im Auge des Orkans befindet.« (Sibylle Peine, Der Tagesspiegel)
»… Collin [lässt] einen historischen Moment lebendig werden, in dem das legendäre Hotel Ritz zu einer Art Schaltzentrale von Besatzern und Kollaborateuren wurde. Verrat, Skrupellosigkeit und Geschäftemacherei trafen auf Mut, Loyalität und Widerstandsgeist. Ganz zu Recht wurde das Buch in Frankreich zu einem Bestseller.« (Märkische Allgemeine Zeitung)
Mich hat an diesem Roman begeistert, wie Philippe Collin es schafft, die historischen Fakten ohne künstliche Übersteigerung so zu inszenieren, dass man ihnen atemlos folgt, obwohl der Ausgang der Geschichte bekannt ist, und wie er die – beinahe ausnahmslos realen – Figuren in all ihrer Ambivalenz stehen lässt, ohne sie zu grimmigen Bösewichten oder strahlenden Helden zu stilisieren. Zur beeindruckend sorgfältigen Recherche des Autors und zur Herausforderung, Bargespräche zwischen Frank Meier und Ernst Jünger zu übersetzen, rede ich unter diesem Link mit Sigrid Brinkmann im Büchermarkt des Deutschlandfunks.
Hier geht’s zu „Der Barmann des Ritz“ auf der Seite des Insel Verlags und im Webshop meiner Lieblingsbuchhandlung Uslar&Rai.