Joël Dicker, „Ein ungezähmtes Tier“
Vom Waldrand aus hatte man einen perfekten Einblick in den Glaskubus. Ein Mann, der wusste, dass er in seinen dunklen Sportklamotten kaum gesehen werden konnte, kauerte hinter einem Baumstamm und starrte auf Sophie in ihrer Küche.
Der im Gebüsch versteckte Mann beobachtete Sophie jetzt mit einem kleinen Militärfeldstecher. Sein Blick wanderte aufmerksam über den schlanken Körper und verharrte an einer Stelle auf dem Oberschenkel, wo der kurze Morgenmantel das Tattoo eines Panthers enthüllte.
Wenige Dutzend Meter hinter ihm lag sein an einen Baum angeleinter Hund auf einem Laubteppich und wartete geduldig. Das Tier kannte dieses Spielchen, das sich jetzt schon mehrere Wochen wiederholte: Der Mann kam jeden Tag hierher. Im Morgengrauen ließ er sich an derselben Stelle nieder und beobachtete Sophie durch die großen Panoramafenster. Die Brauns schliefen mit offenen Jalousien, und er konnte alles sehen: wie sie aufstand, wie sie hinunter in die Küche ging, um sich einen Kaffee zu machen und ihn am Fenster zu trinken. Sie war so betörend. Sie beherrschte sein ganzes Denken. Er war von ihr besessen.
(Joël Dicker, „Ein ungezähmtes Tier“)
„Ein Krimi der Extraklasse“ (WDR 4, Bücher)
„Bei ihm stürzt kein Kartenhaus zusammen, es explodiert. Es fliegt in die Luft – und bei der Landung fügen sich die Karten zu einem neuen, auf noch größeren Lügen stehenden Haus zusammen. Und in diesem Gebäude spielt sich dann das große Finale ab, das den Leser sprachlos, aber beglückt zurücklässt.“ (Rhein-Neckar-Zeitung)
In seinem neuesten Pageturner verzichtet Joël Dicker fast vollständig auf weitschweifige Nebenerzählungen und lässt, nachdem er ein hübsches Heile-Welt-Szenario aufgebaut hat, die Leser*innen atemlos von einer überraschenden Wengung zur nächsten taumeln. Mal wieder äußerst gelungene Unterhaltung.
Hier geht es zu „Ein ungezähmtes Tier“ auf der Seite des Piper Verlags und im Webshop meiner Lieblingsbuchhandlung Uslar&Rai,